08.3 Aussensteuergesetz Deutschland

Aussensteuergesetz

AUSSENSTEUERGESETZ

An diesem Punkt könnte es nun doch für einige mehr Leser spannend werden, denn die erweitere beschränkte Steuerpflicht erfasst, vergleichen wir es mit der Wegzugsbesteuerung, noch ein paar Parameter mehr. Folgend geht es in kurzen Worten darum, dass Sie unter Umständen durchaus auch weiterhin in Deutschland steuerpflichtig sein können, obwohl Sie ordentlich in der alten Heimat abgemeldet wurden und dort auch keinen gewöhnlichen Aufenthalt mehr ausüben.

Es wird jetzt etwas umfangreicher, aber nicht sonderlich kompliziert.

Generell kennt das deutsche Steuerrecht vier Arten der Steuerpflicht, als da wären: die unbeschränkte Steuerpflicht, eine beschränkte Steuerpflicht, die erweiterte beschränkte Steuerpflicht und keine Steuerpflicht.

Unbeschränkte Steuerpflicht

Sie sind in Deutschland gemeldet bzw. Deutschland ist Ihr gewöhnlicher Aufenthaltsort, Ihr Lebensmittelpunkt. In diesem Fall müssen wir uns die 183-Tage-Regel etwas genauer anschauen, aber auch den ggf. zur Verfügung stehenden Wohnraum in der alten Heimat, die Verfügungsgewalt über ein Fahrzeug und einige weitere Details.

Keine Steuerpflicht

Haben Sie sich in Deutschland abgemeldet und im Zielstaat ordnungsgemäß angemeldet und es lässt sich kein gewöhnlicher Aufenthalt mehr in Ihrer alten Heimat nachweisen, so sind Sie dort nicht mehr steuerpflichtig. Hinweis: Sogenannten Digitalen Nomaden ist es dringend anzuraten, diesen Weg zu wählen – unangemeldet in der Welt umherziehen ist nicht nur ein versicherungstechnisches Problem, sondern könnte sich auch unangenehm auswirken, sollten Sie irgendwo auf der Welt mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Dazu genügt es in einiger Ländern schon, wenn Sie die vorgegebene Reisegeschwindigkeit mit dem Auto übertreten.

Beschränkte Steuerpflicht

Dies könnte nun alleinstehend oder auch in Ergänzung zum Thema Wegzugsbesteuerung für Sie, also einen Auswanderer, enorm von Bedeutung sein. Denn auch wenn Sie nicht mehr der deutschen Steuerpflicht unterliegen, kann es durch verbleibende Einnahmen innerhalb der alten Heimat dazu kommen, dass Sie zumindest beschränkt steuerpflichtig bleiben. Insbesondere Mieteinnahmen aus Eigentum in Deutschland ist eine Einnahme, welche in Deutschland steuerpflichtig für Sie bleiben wird. Aber auch Zinsen auf ein in Deutschland bestehendes Bankkonto und Depotvermögen können, ergreifen Sie nicht rechtzeitig entsprechend geeignete Maßnahmen dazu führen, dass erzielte Gewinne trotz Auslandswohnsitz weiterhin in Deutschland besteuert werden und somit eine beschränkte Steuerpflicht bestehen bleibt.

Erweiterte beschränkte Steuerpflicht

Nach Wegzug aus Deutschland unterliegen Sie u.a. beispielsweise noch für fünf Jahre der erweiterten beschränkten Steuerpflicht im Erbschafts- oder auch Schenkungsfall. Auf zehn Jahre erhöht sich diese Frist, wenn …

  1. Die Wohnsitzverlagerung erfolgt in ein Staatsgebiet mit niedriger Besteuerung. Bedeutet, es handelt sich hierbei um ein Land, welches eine deutlich niedrigere Einkommenssteuer erhebt, als dies in Deutschland der Fall ist.

Definition nach dem Außensteuergesetz der BRD: Ein Niedrigsteuerland ist ein Land dann, wenn die Belastung durch die dort erhobene Einkommensteuer bei einer dort ansässigen unverheirateten natürlichen Person, die ein steuerpflichtiges Jahreseinkommen von 77.000 Euro bezieht, um mehr als ein Drittel niedriger als in Deutschland ist (§ 2 Abs. 2 Nr. 1 AStG) oder aufgrund einer gegenüber der dort allgemeinen Besteuerung eingeräumten Vorzugsbesteuerung erheblich gemindert ist und der Steuerpflichtige nicht nachweisen kann, dass seine dortige Einkommensteuer nicht mindestens zwei Drittel der entsprechenden deutschen Einkommensbesteuerung beträgt (§ 2 Abs. 2 Nr. 2 AStG).

  1. Vor dem Wegzug des Steuerpflichtigen, muss dieser in den letzten zehn Jahren zumindest fünf Jahre als deutscher Staatsangehöriger unbeschränkt steuerpflichtig gewesen sein.
  2. Wesentliche wirtschaftliche Interessen werden durch den Steuerpflichtigen auch nach Wegzug weiterhin im Inland verfolgt.

Nur wenn diese Voraussetzungen der erweiterten beschränkten Steuerpflicht erfüllt werden, unterliegt der Steuerpflichtige für weitere zehn Jahre einer beschränkten Steuerpflicht, sofern dies nicht durch ein DBA ausgeschlossen ist.