08.1 183 Tage Regel

183-Tage-Regel

Kurzes Vorwort

Dieser Beitrag orientierte sich überwiegend am überaus komplexen Steuer- und Abgabenrecht und der aktuellen Rechtsprechung der Bundesrepublik Deutschland. Wir möchten Ihnen, dem Leser, somit ein Szenario darstellen, welches in seiner Komplexität weltweit nahezu unerreicht ist. Selbstverständlich können und möchten wir Sie gern auch beraten, wenn Sie aus anderen Teilen Europas stammen.

Wir stehen Ihnen mit großem Engagement zur Verfügung.

Der gewöhnliche Aufenthaltsort

Der gewöhnliche Aufenthaltsort einer Person befindet sich stets dort, an dem sie durch bestimmte Umstände erkennen lässt, dass sie sich nicht nur vorübergehend an diesem Ort beziehungsweise in diesem Gebiet aufhält. Ein solcher Umstand tritt unter anderem dann ein, wenn eine Person mehr als sechs Monate – 183-Tage-Regel – zeitlich zusammenhängend in einem bestimmten Land bleibt. Kurze Unterbrechungen bleiben hierbei unberücksichtigt.

Hinweis: Wer diesen Zeitraum von sechs Monaten überschreitet, sich dort jedoch lediglich aus Besuchs- Erholungs- oder auch Genesungsgründen befindet, begründet keinen gewöhnlichen Aufenthalt. In diesem Fall liegt die Grenze nämlich bei 12 Monaten. Und bitte beachten Sie auch den Begriff „zusammenhängend“, wenn wir über die 183-Tage-Regel sprechen. Wer also immer wieder den Ort für einen längeren Zeitraum verlässt, begründet somit keinen gewöhnlichen Aufenthaltsort. Selbst dann nicht, wenn er sich 200 Tage in einem Land aufgehalten hat, dazwischen jedoch längere Zeitperioden auf Reisen war.

Wohnsitz und Definition

Abzugrenzen ist der Begriff des Wohnsitzes vom gewöhnlichen Aufenthaltsort. Einen Wohnsitz begründet jemand stets dort, wo er über eine Behausung verfügt, welche darauf schließen lässt, dass er diese Behausung längerfristig behält und auch benutzt.

Die Abgabenordnung in Deutschland sieht unter Paragraph 9 vor:

Den gewöhnlichen Aufenthalt hat jemand dort, wo er sich unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, dass er sich an diesem Ort oder in diesem Gebiet nicht nur vorübergehend aufhält.” Bedeutet u.a. auch, Mietverträge müssen gekündigt, eigene Immobilien verkauft oder langfristig fremdvermietet werden.

Beispiel: Die Meiers sollten Ihre Immobilie entweder dauerhaft an fremde Dritte vermieten bzw. verkaufen oder, sollte es sich hierbei um ein Mietobjekt handeln, die Immobilie umgehend mit Verzug ins Ausland aufgeben, sprich den Mietvertrag kündigen.

Die Irrtümer rund um die 183-Tage-Regel

Was ist folglich zu beachten?

Haben Sie keinen Wohnsitz mehr in Ihrer „alten Heimat“, jedoch dort weiterhin Ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort, so gelten Sie „weiterhin“ als unbeschränkt steuerpflichtig. Und dies hat zur Folge, dass Sie mit Ihren gesamten Einkünften der Besteuerung unterliegen, worüber sich Ihr Finanzamt sehr freuen würde.

Beispiel: Der Fall Becker! Es gibt gute und es gibt eher ungeeignete Steuerberater zur Umsetzung eines Vorhabens. Wie man den Wegzug richtig in den Sand setzt, zeigte uns das Beispiel des Boris Becker.

Herrn Beckers Problem waren dabei übrigens nicht die Anzahl der Tage in Deutschland und auch nicht das Elternhaus, sondern eine Wohnung in München, die zwar von Herrn Beckers Schwester angemietet war, Herr Becker jedoch noch Schlüssel zu dieser besaß und dort, wenn er in Deutschland war, angeblich noch „wohnte“. Es spielte für die Richter der 4. Strafkammer der LG München I übrigens dabei keine Rolle, wie selten Herr Becker „seine“ Wohnung tatsächlich nutzte. Unglaublich! Aber wahr!

Gut gedacht und schlecht gemacht, dies sollte nicht der Ansatz sein, unter welchem Sie Ihre Wohnsitzverlagerung vornehmen. Der Fiskus lässt nur ungern seine Schäfchen ziehen und unzählige Gesetze, Verordnungen und Urteile machen dies sehr deutlich. Und doch, Spezialisten mit jahrzehntelanger Erfahrung auf exakt diesem Gebiet können dafür Sorge tragen, dass Sie Ihr Vorhaben ohne Gefahren, Stress und Stolpersteine in die Tat umsetzen. Lassen Sie uns darüber jetzt sprechen!